Direkthilfe für Leprabetroffene, in Slums, Ausbildung & Suppenküche

Fortsetzung der Projekte in Nordindien

Mo 15.04.2019 - 23:00, geschrieben von Ortrud, Alexandra & Frank, veröffentlicht von Frank

Suppenküche, Slums, Änderungen der Reisepläne & "Die kleine Arfin"

Nach dem Besuch der Kolonie Rohtak stand am Dienstag zunächst die Supenküche auf dem Programm. Diesmal waren vor allem sehr viele alte Menschen an der gewohnten Stelle und wurden auf Kosten des FriendCircle WorldHelp verköstigt. Die warmen Mahlzeiten wurden an den Straßenständen gekauft und die kleinen Garküchen liefen in kürzester Zeit zur Hochform auf. Viele Mahlzeiten wurden zubereitet und an die Bedürftigen verteilt. Dazu gab es Getränke und Bananen, da diese haltbar und sättigend sind.
Danach ging es in eine Weberei. Die dunklen Räume und die Arbeitsbedingungen der Menschen dort lassen den Eindruck einer Zeitreise entstehen. Hier hatte Alexandra im Winter viele warme Decken zur Verteilung auf der Straße gekauft. Der Inhaber und seine Mitarbeiter hatten sich damals sehr über den Großauftrag und den Bonus für die schnelle Arbeit gefreut - und nun auch über das Wiedersehen mit den Freunden.
Zum Abschluss des Tages ging es noch in eine Slum-Area mit vielen behelfsmäßigen Hütten, gebaut aus Müll und einfachsten Materialien und Planen.
 
Leider haben gesundheitliche Umstände am Mittwoch das Team etwas in der Dynamik gehemmt. Nach Arztbesuchen wurde dann zunächst eine Werkstatt für Spezialfahrräder besucht. Hier wurden drei Fahrzeuge bestellt, bei denen die Tretkurbel von Hand bedient und durch die Anordnung der Räder als Dreirad auch Behinderte das Fahrrad bewegen können. In der Slum Area hatte das Team am Vortag einen Mann mit Kinderlähmung, ein Mädchen mit einem gelähmten Bein und einen Mann mit nur einem Bein besucht.
Für sie werden die Fahrzeuge wertvolle Fortbewegungsmittel sein...
 
Die Nahrungsumstellung und der Smog machen immer wieder einzelnen des Teams zu schaffen und nicht alle sind uneingeschränkt reisefähig als der Zeitpunkt der geplanten Zugfahrt in den Süden gekommen ist. Das Programm wird deshalb kurzfristig geändert und der Aufenthalt in Delhi verlängert. So bleiben zunächste einzelne im Hotel um sich zu erholen während der Rest der Gruppe mit Sunny wieder Slums besucht um die Menschen dort zu unterstützen.
 
Die Lebensumstände sind unglaublich, wie folgende Eindrücke von Ortrud zeigen:
"Beim Anblick der barfuss auf der Müllhalde laufenden und zu uns lächelnden Kinder, liefen mir die Tränen herunter. Da es mir in den Kopf schoss, dass dieser stinkende, dreckige mit lauter kaputten und somit auch gefährlichen Gegenständen (Metall, Glas, Plastik, Batterien etc.) beladene, endlos zu scheinende Haufen, in dem sich auch Kühe, Ziegen, Wildschweine, Hunde, Katzen und vermutlich auch Ratten tummelten, nicht nur ein wichtiger Arbeitsplatz (rag picking), sondern auch Kinderspielplatz! ist."
 
Mehrfach trifft das Team auch auf junge Müllsammler, oft erst 10-12 Jahre alt. Spontan werden diese neu eingekleidet und bekommen eine warme Mahlzeit. Und neue Schuhe krönen das spontane "Weihnachten". Freudig winken die Jungs dem Team nach bevor sie wieder die großen Müllsäcke schultern um die Arbeit fortzusetzen.
 
Am nächsten Tag geht es mit Sunny per Metro zu einem anderen Platz für die Suppenküche. Auch hier werden wieder viele Menschen, darunter viele Kinder, mit warmem Essen und Getränken versorgt. Anschliessend geht es zur Fahrradwerkstatt wo die fertig montierten Dreiräder abgeholt werden können - in knallgelb mit hübschen handgemalten Schildern in rosa mit gelber Schrift.
Mehrere Kilometer werden die drei angehängt an ein Motorrad, gehalten vom Sozius, auf der Straße zum Bestimmungsort überführt - Indien life.
Es folgt ein Gruppenfoto mit den neuen Besitzern bevor es zurück ins Hotel geht.
 
Im Morgengrauen wird am Folgetag "Kriegsrat" gehalten. Sind alle fit genug um die Reise in den Süden anzutreten? Dort ist eigentlich die Bohrung von Brunnen geplant. Es gilt die Risiken sorgfältig abzuwägen, bei der aktuellen Hitze und dann im Hinterland müssen alle gesund sein, mal eben zurück nach Delhi zu reisen ist nicht möglich - ein Inlandsflug statt Zugfahrt steht an. Nach gemeinsamer Besprechung ist jedoch schnell klar, dass nur ein Teil der Gruppe alleine mit Venu reisen könnte. Und so wird die schwere Entscheidung getroffen zu bleiben und den Reiseplan nochmals zu ändern...
 
Gemeinsam mit Sunny geht es für einen Teil des Teams wieder in eine Slum Area wo sie an diesem Tag die kleine Arfin treffen:
"Als wir die kleine Arfin zum ersten Mal sehen, liegt sie alleine, apathisch und lautlos auf einer Matratze in einer kleinen ca. 9 m2 dunklen Slumhütte, weil die Eltern für den Lebensunterhalt sorgen müssen. Die Familie wird uns als sehr bedürftig vorgestellt. Der Vater besitzt aufgrund eines Unfalls nur noch seinen rechten Arm.
Die Mutter ist taubstumm. Arfin ist ihr einziges Kind. Ihnen gehören 9 Schafe, mit denen der Vater in der näheren Umgebung umherzieht, damit die Schafe im Müll etwas zum Fressen finden können. Die Mutter steuert zum Lebensunterhalt bei, indem sie Müll sammelt, trennt und bei Recyclingfirmen für kleines Geld abgibt.
 
Arfin ist 2 Jahre alt und hat einen Entwicklungsstand von einem ca. sechs Monate alte Baby. Als wir sie hochnehmen scheint es, als ob sie kaum eigene Muskelkraft hat. Wir basteln und kaufen ihr entwicklungsangepasstes Spielzeug, das ihre gesamte Wahrnehmung anregen soll, einen Trinkbecher und 2 Kleidchen. Diese führen wir der Kleinen, im Beisein der Eltern, beim zweiten Besuch vor und erkären ihnen, wofür die Dinge wichtig sind.
Die kleine Arfin beobachtet genau das Mobile, ergreift die aus zwei Teesieben gebastelte Rassel und bewegt diese, so dass die Glöckchen im Inneren erklingen. Sie zeigt uns gegenüber zum ersten Mal Selbstwirksamkeit (ICH mache etwas und dann passiert etwas) und strahlt über das ganze Gesicht! Als wir mit ihr reden, beginnt sie freudig zu lautieren.
Die Handhabung des mit Wasser gefüllten Henkeltrinkbechers musste nur einmal gemeinsam mit ihr ausgeführt werden. Beim zweiten Mal führte sie diesen mit ein klein wenig Hilfestellung selbst zu ihrem Mund, trinkt und kaut auf dem Schnabel des Bechers. Was für ein Segen, wenn sie diesen alleine (wenn ihre Eltern weg sind, um das nötige Essen für den Tag zu verdienen) bei einer Außentempertur von ca. 40 Grad, nehmen und trinken kann.
Da das Kind auch sehr unterernährt wirkt bekommt die Familie einen Zusachuss für Essen und das Kind notwendige Nahrungsergänzungsmittel.
Wir verabschieden uns von strahlenden Eltern und einem scheinbar "zum Leben erwachten" Mädchen." (von Ortrud)

 

Di 09.04.2019 - 22:30, geschrieben von Alexandra & Frank, veröffentlicht von Frank

Zu Besuch in Rohtak

Der zweite Tag führt das Team gemeinsam mit Venu in eine Kolonie für Leprabetroffene nördlich von Delhi. Die Begrüßung durch die Bewohner ist sehr herzlich und nach einer kurzen Zeremonie und Besprechung erfolgt ein Rundgang durch das Dorf und die einfachen Hütten in welchen die Menschen hier leben. Die Kolonie wurde vom Team ausgesucht, weil es unter den ca. 50 Menschen die hier leben, einige mit sehr starken Behinderungen gibt. Dazu leben die Älteren von 1.100 Rupien Rente im Monat - zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel...

Um so schlimmer wenn dann noch Sonderausgaben dazu kommen:
Eine Frau trifft das Team in ihrer Hütte auf dem Bett liegend an - seit ca. 20 Tagen ist ihr Rollstuhl kaputt und so kann sie nicht einmal mehr in den Hof in die Sonne fahren. Sofort wird die Reparatur organisiert. Zwei mal 13,00 Euro später, sind dieser und ein zweiter Rollstuhl (einer anderen Dorfbewohnerin) repariert und die Frau ist überglücklich und unendlich dankbar. Als Alexandra nachfragt, ob sie noch weitere Wünsche oder Probleme hätte antwortet sie nein - und ergänzt nach einer kurzen Pause "ich habe jemanden, der für mich kocht". Soviel zur Zufriedenheit...

Das Team beschliesst für das ganze Dorf eine Ration an Grundnahrungsmitteln (v.a. Reis) und Hygieneprodukten (Seife, Zahnbürsten etc.) zu kaufen. Der Großeinkauf wird organisert und als kurze Zeit später die Rikshas mit den Vorräten anrollen, versammelt sich das ganze Dorf zur Verteilung. Ruhig und andächtig wird alles gerecht geteilt - die Menge reicht für mehrere Monate.

Während Ortrud, Johanna, Theresa, Claudia und Alexandra von allen umarmt und mit Emotionen der Dankbarkeit überschüttet werden, fällt mehrfach der Satz "wir werden euch nie vergessen - bis zu unserem letzten Atemzug".

 

Mo 08.04.2019 - 22:30, geschrieben von Frank, veröffentlicht von Frank

Anreise, erster Tag und erstes Projekt...

Am Samstag um kurz nach drei Uhr in der früh ist unser Team in Richtung Flughafen aufgebrochen. Von Nürnberg über Amsterdam sind Claudia, Theresa, Ortrud, Johanna und Alexandra nach Delhi gereist.
Nach einem "durchflogenen Tag" ist das Team nach 21 Stunden Reiszeit um Mitternacht in Delhi gelandet. Nach der Einreisekontrolle ging es weiter ins Hotel, wo bereits Herr Shukla wartete. Unser Freund an der Rezeption hatte sich extra für die Nachtschicht einteilen lassen um das Team zu begrüßen, welcome in India wink
Nach einer (zu) kurzen Nachtruhe und dem ersten obligatorischen Chai am Morgen, war der erste Tag ausgefüllt mit Besorgungen, wie Sim-Karten und dem Kauf von Stoffen für landestypische Kleidung. Am Nachmittag wurde dann vom Schneider Maß genommen und Abends war die erste Garnitur für alle fertig, wow!
Heute stand dann schon ein Besuch in einem Dorf für Leprabetroffene nördlich von Delhi auf dem Programm.
In der Kolonie Rohtak leben ca. 50 Personen, z.T. mit starken körperlichen Behinderungen, verursacht durch die Folgen der Erkrankung...

Fotos und Details folgen, Gute Nacht aus Delhi.

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