Unterstützung

Unterstützung für Flüchtlinge in Jordanien

Reisebericht – Jordanien vom 08.11. – 14.11.2025

Im November ist das Team von FriendCircle WorldHelp erneut unterwegs – dieses Mal führt die Reise nach Jordanien. Von Frankfurt aus fliegen Alexandra, Michael, Jürgen und Alois nach Amman, um sich vor Ort ein eigenes Bild von der Situation zu machen. In Flüchtlingscamps sowie bei Besuchen von Familien und Einzelpersonen nehmen sie sich Zeit für persönliche Gespräche, hören zu und verschaffen sich einen unmittelbaren Eindruck der oft schwierigen Lebensumstände. Auf dieser Grundlage wird gezielt individuelle Hilfe geleistet.

Die Eindrücke dieser Reise sind intensiv und bewegend. Alois hat die Tour nach Jordanien ausführlich dokumentiert. Sein Bericht gibt im Folgenden einen tiefen Einblick in die Begegnungen, Herausforderungen und Hoffnungen vor Ort.

 

Bericht von Alois:

Am 08.11.2025 reisen Alexandra, Michael, Jürgen und Alois vom FriendCircle WorldHelp nach Jordanien, um in verschiedenen Flüchtlingslagern Direkthilfe zu leisten. Wir treffen uns mit unserem Freund und Begleiter Ahmad in der Hauptstadt Amman. Von hier aus werden wir die nächsten Tage verschiedene Flüchtlingslager an der Grenze zu Syrien besuchen.

In dem Bundesstaat Bekaa gibt es 127 Camps mit ca. 6500 Familien. Seit 2011 sind ca. 1,4 Millionen Flüchtlinge aus Syrien nach Jordanien vertrieben worden. Die Flüchtlingslager wurden durch die Unterstützung großer Hilfsaktionen mit dem Notwendigsten versorgt. Diese Mittel wurden nun weitgehendst gestrichen, mit der Begründung, dass der Krieg in Syrien beendet ist. Syrien ist weitgehend zerstört und es ist unsicher, wann die Menschen in ihr Land zurückkommen können. Im Vorfeld wurden 600 Pakete mit Lebensmittel gepackt. Kosten je Packet 35 €.
Ebenso wurden im Vorfeld 29 Familien ausgesucht, die das Schicksal besonders hart getroffen hat. Wir werden jede Familie einzeln besuchen.

Tag 1     09.11.2025

2 Flüchtlingslager Almafrag und Amrahomera

Je 50 Familien – ca. 580 Personen

Die Camps stehen mitten in der Wüste und werden von den Bauern notdürftig mit Wasser und Strom versorgt. Jede Familie zahlt dafür 26 € im Monat. Die arbeitsfähigen Menschen, arbeiten auf den Feldern der Farmen für ca. vier Euro am Tag. Jede der insgesamt 100 Familien erhält ein Nahrungsmittelpaket.

Wir besuchen anschließend die Familien, welche es besonders hart getroffen hat. Sie bekommen eine gesonderte Zuwendung, um die laufenden Kosten für Wasser, Strom, Nahrung, Medizin usw. bezahlen zu können. Beispiele:

In der ersten Familie treffen wir die Mutter mit sechs Kindern. Drei der Kinder wurden mit Behinderungen geboren und können nur schwer laufen.

Die zweite Familie lebt seit 2011 im Camp. Von den drei Kindern, die alle hier geboren wurden, ist ein Mädchen erblindet. Die Familie erhält 100 € im Monat vom Staat Jordanien. Allein für Medizin werden jedoch 50 € im Monat benötigt.

Die dritte Familie lebt seit der Flucht in 2014 hier. Sechs Kinder, die Mutter leidet an Krebs. Der Vater ist durch einen Unfall gestorben, einer der älteren Brüder wurde im Krieg getötet. Ein anderes Kind hat eine tiefe Wunde im Rücken, die nicht zuheilt.

An diesem ersten Tag besuchen wir noch ein Waisenhaus. Hier leben Mütter mit ihren Kindern, die hier zumindest nachmittags Schulunterricht bekommen. Alle Väter wurden im Krieg getötet. Zwei der Mütter haben ein paar Spiele vorbereitet, welche die Kinder mit uns Besuchern durchführen. Es herrscht große Freude bei den Kleinen. Jede Familie bekommt eine Zuwendung, um das Leben ein klein wenig zu erleichtern.

 

Tag 2    10.11.2025

Flüchtlingslager Ghadiu Al Nakah, 150 Familien, 800 Personen

Wir verteilen 150 Esspakete und besuchen 9 Familien. Hier einige Beispiele.

Familie 1:   Eine Mutter mit fünf Kindern, der Vater ist 2015 gestorben. Vier von fünf Kindern sind stumm und können nicht sprechen. Die Mutter geht auf den Feldern arbeiten.

Familie 2:   Eine Familie mit acht Kindern. Ein 15-jähriger Junge kann nicht zur Toilette, er braucht Windeln. Die Operation in den USA war genehmigt. Doch wegen dem beendeten Krieg in Syrien wurden die Gelder „eingefroren“. Der Vater arbeitet auf einer Farm für ein paar Dollar pro Tag. In Syrien hatten sie ein Haus, Auto, Arbeit… Auch hat er zwei Brüder im Krieg verloren.

Familie 3:   Eine Mutter mit zehn Kindern. Der Mann ist aktuell im Krankenhaus und wird am Herzen operiert. Die Mutter hat eine Niere für ihren Bruder gespendet. Die Mutter arbeitet, wenn sie kann, auf den Feldern der Farmer.

Familie 4:   Ein Vater mit zwei Kindern, 12 und 14 Jahre alt. Dem Vater sind bei einem Bombenangriff vor 12 Jahren Trümmer auf den Rücken gefallen - seitdem ist er querschnittsgelähmt. Die Frau hat ihre Familie verlassen. Seitdem pflegt der 12-jährige Sohn seinen Vater zu Hause. Er putzt, kocht, wäscht für ihn und macht den Haushalt. Er liebt seinen Vater sehr. Die 14-jährige Tochter geht zur Schule. Der Sohn kann nicht, er macht die Arbeit zu Hause. Vom Staat bekommt die Familie 100 €. Alleine die Miete kostet 100 €. Überleben kann die Familie nur durch Nachbarschaftshilfe.

Familie 5: Eine Familie mit vier Kindern – der Vater ist vom Krieg schwer traumatisiert und kann kaum mehr schlafen. Die Mutter und ihre Schwester arbeiten auf dem Feld. Ebenso ihr ältester Sohn. Sie bekommen ab und an ein Essenspaket von Freunden.

Familie 6:  Eine Mutter mit sechs Kindern - drei Mädchen und drei Jungen. Sie leben seit 2013 im Flüchtlings-Camp. Der Vater war stark traumatisiert und ist an einem Herzinfarkt gestorben. Zwei Söhne ihrer Schwiegermutter sind im Krieg gefallen. Sie können nicht zurück nach Syrien. Es ist alles zerbombt.

Das sind einige Beispiele von unseren Besuchen bei den Familien.

Tag 3   11.11.2025

Flüchtlingslager Altfjahah   -   20 Familien -   100 Personen

Wir teilen wieder Pakete aus und besuchen wieder Familien.

Familie 1:   Die Familie hat sieben Kinder. Ein Kind hat eine Lähmung im Gehirn. Seit 2016 sind sie im Lager. Eine Bombe schlug in ihr Haus ein und sie flüchteten. Der Vater arbeitet trotz starker Rückenschmerzen auf dem Feld. Die Frau ist aktuell im Krankenhaus.

Familie 2:  Eine Familie mit sechs Kindern. Der Älteste wurde bei der Flucht schwer traumatisiert. Die Erinnerung: Bomben, Flugzeuge, Hubschrauber und lähmende Angst. Kein Essen und kaum zu trinken… Sie haben auf dem kargen Boden einen kleinen Garten angelegt, um ein paar Auberginen, Tomaten und Gurken zu ernten.

Familie 3:  Eine Familie mit fünf Kindern. Die siebenjährige Amani hat die Lunge voller Zysten. Michael, unser Arzt lässt sich die Röntgenbilder zeigen und nimmt sofort Kontakt mit einem Kollegen auf und bespricht sich. Klar ist, dass zwei weitere OP‘s nötig sind, um die Zysten zu entfernen. Der FriendCircle WorldHelp wird die Kosten übernehmen.

Familie 4: Die Frau ist 100 Jahre alt. In 2012 floh sie mit der Familie aus Syrien. Sie lebt mit ihren Töchtern und deren Kindern im Lager. Der Ehemann ihrer jüngsten Tochter arbeitet auf der Farm eines jordanischen Großgrundbesitzers. Ihre fünf Söhne sind zurück nach Syrien gekehrt, zum Wiederaufbau. Wir fragen die Frau nach dem schönsten Tag in ihrem Leben. Es war die Reise nach Mekka, wo sie gebetet hat. Ihr größter Wunsch ist, dass sie zurück nach Syrien kann, um dort zu sterben. Das Geheimnis ihres langen Lebens: Jeden Tag Milch von der Kuh und viel Gemüse.

Familie 5:  Eine Familie mit vier Kindern - zwei Jungen und zwei Mädchen. Beide Mädchen müssen zwei bis dreimal pro Woche zur Dialyse. Die Kosten belaufen sich auf ca. 400 € je Woche. Sie bekommen eine Zuwendung von einer Organisation. Der Vater arbeitet mit den zwei Söhnen auf den Feldern, um das restliche Geld zu beschaffen. Ein ganz schweres Schicksal. Man sieht den beiden Mädchen ihre Traurigkeit an. Hier stößt auch der FriendCircle WorldHelp an seine Grenzen.

Familie 6: Eine Familie mit neun Kindern - fünf Mädchen und vier Jungen. 2011 floh die Familie vor dem Krieg. Fünf Kinder wurden in Syrien geboren und vier Kinder sind im Camp zur Welt gekommen.
Zwei Kinder leiden unter Blutarmut und bekommen alle 15 Tage Blutkonserven. Kosten: 240€.
120 € müssen sie selbst aufbringen – die restlichen 120 € zahlt eine lokale Organisation. Beide Eltern und auch die Kinder arbeiten auf der Farm. Wie für fast alle Kinder hier in den Camps bedeutet das: kein Schulunterricht und somit auch denkbar schlechte Zukunftsperspektiven, um der Armut zu entkommen.

Tag 4   12.11.2025

Flüchtlingslager Omalgmal   150 Familien – 700 Personen

Wir starten wieder mit der Verteilung von den 150 Nahrungsmittel-Paketen. Jede Familie erhält ein Paket.

Anschließend besuchen wir wieder Familien, die im Vorfeld sorgfältig ausgewählt wurden.

Familie 1: Eine Familie mit sechs Kindern. Der Mann ist schwer krank und muss künstlich ernährt werden. Er hat ein schweres Schädel-Hirntrauma. Wir geben eine Zuwendung, um die akute Not ein wenig zu lindern.

Familie 2:  Eine Frau mit 35 Jahren und fünf Kindern. Der Ehemann ist in Syrien vor sechs Monaten bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen, als er seine Eltern treffen wollte.

Familie 3: Eine schwerkranke Frau lebt mit drei erwachsenen Söhnen im Camp. Die jungen Männer arbeiten auf einer Farm. Der Vater ist gestorben.

Familie 4:  Mutter mit fünf Kindern - drei Söhne, zwei Töchter, seit 2016 im Flüchtlings-Camp. Der älteste Sohn, welcher der Mutter viel geholfen hat, musste das Land verlassen. Er wurde denunziert. Der Ehemann ist 2011, schon vor dem Krieg, in Syrien an einer Krankheit gestorben.

Familie 5: Eine Mutter mit neun Kindern. Fünf Jungen und vier Mädchen. Die Familie ist 2011 aus Syrien geflohen. Zur damaligen Zeit sollten alle Männer zum Militär. Der Ehemann ist vor sechs Jahren an Krebs gestorben. Sie kämpfen täglich ums Überleben.

Die Arbeit auf den Feldern bei den Farmern.

Wenn es Arbeit gibt, arbeiten viele Flüchtlinge und auch ihre Kinder auf den Farmen der Bauern. Der Tag ist sehr hart. Die Arbeit beginnt um 7:00 Uhr und endet um 18:00 Uhr. Die Arbeiter müssen ihr Essen selbst mitbringen und bekommen nur Wasser. Nach drei Stunden Arbeit gibt es 10 Minuten Pause. Dann wieder 3 Stunden Arbeit usw. Es fahren immer wieder Autos an den Feldern vorbei und kontrollieren, ob die Menschen auch arbeiten. Der Tageslohn liegt zwischen 6 und 9 €. 

 

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

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